Schrill
klingelte der Wecker und verkündetet damit die Ankunft eines weiteren Morgens.
Wie immer schlief Ralph noch – er überhörte ständig den nervenden Piepton
dieses kleinen Mistdinges, weshalb ich es einfach weiterklingeln ließ, in der
Hoffnung, dass es ihn doch irgendwann aus dem Schlaf schrecken würde. Ein Blick
in Richtung Fenster sagte mir, dass die Sonne sich ebenfalls bereits aus den
Federn bemüht hatte und nun munter durch die halb geschlossenen Jalousien
blinzelte. Irgendwie stimmte mich diese Einsicht gleich etwas froher.
Beschwingt
warf ich meine Beine über den Rand des Bettes und erhob mich. Dieser Morgen
versprach doch noch gut zu werden – ich hatte es im Gefühl.
Ich fühlte mich
ungewohnt ausgeruht und leicht, sodass ich beschloss Ralph mit einem leckeren
Frühstück aus dem Bett zu locken – oder wieder hinein, wenn er sich locken
ließ! Bereits der Gedanke daran brachte mich zum Grinsen.
Auf
Zehenspitzen schlich ich mich aus dem Zimmer. Gott sei Dank hatten wir uns vor
einiger Zeit darauf geeinigt, unsere Schlafzimmertür immer geöffnet zu lassen.
Bei jedem Schwung, den die Tür ausführte, knarzte und quietschte sie
abscheulich und da Ralph und ich zu sehr unterschiedlichen Zeiten aufstanden,
war es besser die Tür offen und den anderen somit weiterschlafen zu lassen.
Auf
dem Weg zur Küche, welches mit Schlafzimmer, Bad, Stube und Eingangstür durch
einen schmalen relativ kurzen Gang verbunden war, versuchte ich ebenfalls so
leise wie möglich voranzukommen. Plötzlich bemerkte ich ein Geräusch aus dem
Badezimmer. Seltsam, gerade eben lag Ralph doch noch schlummernd in seiner
Betthälfte. Ich näherte mich der Badezimmertür, als diese von innen aufgestoßen
wurde. Ich konnte gerade noch rechtzeitig beiseite springen, um die Tür nicht
an den Schädel geknallt zu bekommen. Völlig verdattert starrte ich die fremde,
NACKTE Frau an, die da aus MEINEM Badezimmer kam und in MEIN Schlafzimmer
marschierte, als wäre dies hier ihre Wohnung.
Wütend
stürmte ich hinter ihr her und schrie laut: „Hey!“
Mich
völlig ignorierend lief die Fremde einfach weiter. Zu allem Überfluss beugte
sie sich über meinen noch schlafenden Freund und schnurrte ihm leise ins Ohr.
Na die konnte was erleben!
Voller
Zorn sprang ich die Hure an und schlug ihr meine Faust mitten ins Gesicht.
Zumindest
versuchte ich zuzuschlagen.
Meine
Faust glitt nämlich einfach so durch dieses Miststück hindurch! Was sollte das
denn jetzt? Was für eine abgedrehte Freakshow lief denn hier ab?
Noch
immer völlig fassungslos versuchte ich erneut der immer noch schnurrenden
Schlampe die Fresse zu polieren – zu meinem wachsenden Entsetzten ohne Erfolg!
Endlich
hatte die blöde nackte Kuh es geschafft Ralph zu wecken und mit einem anzüglichen
Grinsen musterte er die Fremde von oben bis unten, die sich kokett unter seinem
Blick räkelte und ihre Reize spielen ließ. Dann zog er sie zu sich unter die
Decke und die beiden fingen an zu knutschen wie zwei Teenager. Bääh!
Irgendwas
lief hier gerade eindeutig schief. Ich hätte jetzt an ihrer Stelle liegen
müssen – war es nicht vor ein paar Minuten noch mein Plan gewesen, ihn zu
verführen?
Noch
dazu hatte ich keine Ahnung, warum ich dieses verdammte Miststück nicht
verprügeln konnte, sondern immer nur durch sie hindurchgriff.
Meine
Verwirrung über diese seltsamen Umstände wich unbändiger Wut – über diese
nackte Fremde, über Ralph, über mich. Ich meine, die beiden hatten mich noch
nicht einmal bemerkt und dabei schimpfte und zeterte ich wie noch nie in meinem
Leben.
Warum
machte mein Ralph auch mit dieser Schnepfe rum? Und warum konnte ich den beiden
nicht die Augen auskratzen?
Ich
wollte es auf einen weiteren Versuch ankommen lassen, sprang auf das Bett, in
welchem sich die beiden wohlig suhlten, und versuchte den Arm der Fremden zu
packen, um sie von Ralph herunterzuziehen, während ich beide anschrie,
schimpfte und um mich schlug! Leider blieb der Versuch erfolglos. Nicht einen
Blick schenkten sie mir. Hemmungslos knutschen und fummelten die beiden weiter
aneinander herum.
Ich
kapierte es einfach nicht. Verstand wirklich nicht, was hier los war!
Noch
dazu ertrug ich das ganze Geschmatze und Gestöhne nicht mehr, welches immer
lauter unter der Bettdecke hervordrang. MEINER Bettdecke, wie mir wieder
bewusst wurde.
Heulend
und wütend sprang ich auf und stürzte aus dem Zimmer.
Es
musste eine logische Erklärung dafür geben, das wusste ich. Eigentlich gab es
auch nur eine sinnvolle Erklärung für alles: Ich musste in einem megamiesen Albtraum
festhängen! Bloß wie sollte ich da wieder rauskommen?
Im
Film kniffen sich die Leute immer gegenseitig, um schlechten Träumen zu
entfliehen, also zwickte ich mich so fest ich konnte in den Arm. Das
enttäuschende Ergebnis war allerdings nur ein kurzer Schmerzenslaut, der sich
den Tiefen meiner Kehle entrang. Das konnte – nein durfte! – doch einfach nicht
wahr sein!
Schon
wieder stieg diese wirre Verzweiflung in mir hoch und ich versuchte krampfhaft
einen klaren Gedanken zu fassen, während durch die offene Schlafzimmertür
eindeutige Geräusche drangen, welche meine Wut und Verzweiflung nur noch mehr
steigerten.
„Ich
muss hier raus!“, sprach ich laut aus, was ich dachte und stiefelte in Richtung
Tür. Ganz selbstverständlich und ohne weiter darüber nachzudenken streckte ich
meine Hand nach der Klinke aus, doch alles, was ich zu fassen bekam, war ein
eisiger Lufthauch.
Vor
Wut über diesen erneuten Fehlschlag, rammte ich meine Faust mit aller Kraft
gegen das Holz der Tür und auch dieses Mal glitt mein Arm komplett hindurch.
Ich versuchte es erneut, mit demselben Ergebnis.
So
langsam begriff ich, dass ich gar nicht wirklich körperlich anwesend war und
mal ehrlich – das konnte ja wohl nur ein völlig abgedrehter Albtraum sein!
„Nun
gut, dann lass ich mich eben auf dieses Spielchen ein.“, sagte ich zu meinem
Unterbewusstsein.
Ich
glitt mühelos durch die geschlossene Tür. Ein eisiger Schauer erfasste mich,
als ich mich mitten im Holz befand. Gruselig,
dachte ich. Wie ein Geist. Vorsichtig untersuchte ich meinen Körper auf
bleibende Schäden, die durch diese Aktion entstanden sein könnten. Zum Glück
war mein Körper nach wie vor so makellos wie immer.
Doch
was sollte ich nun machen? In meinem Bett tummelten sich mein Ex-Freund – nach
der Aktion brauchte er gar nicht erst wieder angekrochen kommen – und seine
Hure und ich wusste immer noch nicht, wie ich aus diesem bescheuerten Traum
rauskommen sollte!
Ich
verspürte den Drang, endlich aus diesem Haus zu verschwinden, also ging ich die
5 Etagen des Hauses hinab, in der unsere Wohnung lag. Unten am Eingang kam mir
Mrs. Pattinson von gegenüber entgegen und ich grüßte sie freundlich. Auch sie
nahm keine Notiz von mir.
Also
wirklich! Selbst für einen Traum war die Sache ganz schön verrückt. Irgendwie
musste ich herausfinden, was mein Unterbewusstsein mir damit sagen wollte.
Die
Tür fiel hinter Mrs. Pattinson wieder ins Schloss, doch wie ich bereits wusste,
hielt mich das nicht auf. Auch durch diese Tür sprang ich einfach hindurch und
schlang danach fröstelnd meine Arme um meinen Oberkörper. Diese ganze
durch-Wände-gehen-Sache war ziemlich eisig! Ich sollte mal ein ernstes Wörtchen
mit meiner Fantasie reden, wenn der Wecker endlich richtig klingelt.
In
Gedanken versunken bewegte ich mich immer weiter vom Haus fort. So richtig
bekam ich nicht mit, wo meine Schritte mich hinlenkten, bis ich verwundert
feststellte, dass ich am nahegelegenen Friedhof gelandet war.
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